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Fjells kleine Pflanzennotstation

04.03.2010

Übermittelt von User: Fjell

Diesen Montag war es also endlich soweit. Der Seramis-Projekt Karton sollte kommen. Und wie ich so in meiner Wohnung sitze und auf den Paketboten warte, damit ich endlich das ersehnte Seramis in Händen halte – und nebenbei nicht zu spät zur Uni komme – höre ich ein Schnaufen und Fluchen im Flur, das einem Fuhrknecht die Schamesröte ins Gesicht getrieben hätte. Ich öffne die Haustür und sehe meinen altbekannten Postboten – ein Mittvierziger mit melierten Haar und einem schlechten Rücken – wie er einen gewaltigen Karton mit größter Mühe die letzten Stufen zu meiner Haustür hievt. Dankbar und etwas von Schuldgefühlen geplagt weil ich ihn nicht vorgewarnt damit er die Schicht mit seinem jüngeren Kollegen tauschen konnte, nehme ich die Lieferung entgegen. Natürlich hätte ich nur zu gerne an Ort und Stelle das Paket geöffnet aber leider gibt es da ja noch diese leidliche Verpflichtung namens Studium. Also verstaue ich mein Paket sicher und verschwinde für die nächsten Stunden an die Hochschule meiner Wahl. Als ich nach einer ewig erscheinenden Zahl von Stunden, die ich lernend und studierend verbrachte, endlich wieder zuhause angekommen bin, konnte es endlich losgehen und die Kiste der Pandora geöffnet werden. 1_1267725399_Fjell_Langzeit-Berichterstattung Da klingelt es an der Haustür. Mein Vater steht in der Tür und fragt mich feixend ob das Seramispaket schon angekommen wäre. Ich möchte hier erwähnen, das mein Vater bis zu diesem Zeitpunkt der festen Überzeugung gewesen ist, ich würde bei diesem Projekt höchstens 3,5 Kg bekommen würde. Bei einer solchen Aktion, so seine Worte, könne ich niemals die angegebene Menge an Proben erhalten. Mit einem süffisanten Lächeln übergebe ich ihm die noch verschlossene Kiste und sehe mit Genugtuung wie er vom unerwarteten Gewicht fast zu Boden gerissen wird. Was das sei ist seine Frage und ich sage mit einem Lachen im Gesicht, es handle sich um die 3,5 Kilo Seramis, die ich erwarte. Das wären doch wesentlich mehr ächzt mein Vater und mein Grinsen wird breiter als mein Vater erkennt, dass er sich geirrt hat. Doch mein Vater wäre nicht mein Vater, wenn er sich lange mit solchen Sachen aufhalten würde. Ebenfalls ein Mitvierziger hat mein Vater mit Beginn dessen, was ich gerne Midlife-Crisis nenne, seine bäuerliche Seite entdeckt und versucht nun ständig den Balkon und die Wohnung meiner Eltern in eine Parklandschaft zu verwandeln. Am liebsten hätte er den ganzen Karton mitgenommen. “Nichts da” sage ich “Du kriegst einen gerechten Anteil und damit basta!” entgegne ich. Tatsächlich brauche ich das Seramis viel nötiger, als derjenige in der Familie dem man nachsagt jede sterbende Grünpflanze retten zu können.  Von den Flaschen Vitalnahrung mal ganz abgesehen.

Tatsächlich kam das Paket genau zum richtigen Zeitpunkt, denn ich hatte am vorherigen Samstag zwei neue begrünte Sorgenkinder bekommen. Es handelt sich um zwei Ficii, Stechlinge die vor mehreren Monaten eingepflanzt wurden und sich prächtig entwickelt hatten. Jetzt aber werden die Blätter braun, welk und fallen ab. Grund unbekannt. Ich erhoffe vom Seramis-Projekt die empfindlichen Ficii wieder aufpäppeln zu können. Wobei mir die beiden Wasserstandsanzeiger und der restliche Inhalt des Projekts natürlich in die Hände spielen. Ich verscheuche also meinen Vater, nachdem wir das Paket zusammen geöffnet haben, indem ich ihn mit einem Produktforschungsfragebogen und Broschüre abspeise und mache mich mit dem Projektinhalt und allen Dokumenten noch einmal vertraut. Als ich am Abend fertig bin, wollte ich mich gerade daran machen die armen Ficii in Seramis umzutopfen als es wieder klingelt. Es ist mein Onkel, welcher von meinem Vater gehört hat, dass ich ein Paket voll mit Seramis bekommen habe. Besonderes Interesse hat er an den Orchideenprodukten, da endlich wieder leiert seine Lebenspartnerin ganz versessen nach den exotischen Pflanzen ist. Für mich hat sich ein geradezu erstaunlicher Effekt herauskristallisiert: Mundpropaganda verbreitet sich in meiner Familie dann am Besten, wenn man sie gar nicht effektiv betreibt. Ich bin gespannt wie sich das alles weiter entwickeln wird. Als ich meinen Onkel endlich los bin und meine Orchideenartikel los, ist es zu spät die armen kleinen Pflanzen umzupflanzen. Ich stelle sie an einen sicheren Platz mit optimaler Licht- und Wasserversorgung und gehe ins Bett. Morgen wieder die leidige Uni. Während ich ins Land der Träume sinke nehme ich mir fest vor die Ficii spätestens am Wochenende in Seramis zu betten und eine Art Projekttagebuch über ihre Entwicklung auf Whisprs zu schreiben.  Das war der erste Bericht aus Fjells kleiner Pflanzennotstation. Bis zum nächsten Mal!

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