Eine glückliche Pflanze
06.05.2010Übermittelt von User: Pacodemias
Ich darf mich zuerst ein Mal vorstellen, ich bin Carla, eine kleine Palme, und ich bin glücklich. Warum ich glücklich bin. Nun, als Pflanze hat man es in der heutigen Zeit nicht grade einfach. Aber der Reihe nach.
Die erst Erinnerung in meinem Leben, woran ich mich erinnern kann, ist, dass ich in einem großen Raum mit ganz vielen anderen meiner Sorte stand. Plötzlich wurde ich hochgenommen und in einen aus Gitterstäben bestehenden Wagen gestellt. Eine ältere Frau fuhr mich dann durch den großen Raum und ich wurde auf ein bewegliches Band gelegt. Dann kam ein roter Strich auf mich zu, es machte ein grässlich lautes Geräusch "Piiiiiiiiiiiieeeep" und sofort wurde es dunkel und es raschelte. Dieses Piep klingt noch heute ab und zu in meinen Ohren. Aufgeregt wartete ich damals, was passieren sollte. Ich hörte es ein paar Mal rumpsen und brummen. Dann klimperten ein paar Schlüssel und endlich bekam ich wieder Licht ab. Ich stand in einer kleiner gemütlichen Wohnung direkt auf einem Fensterbrett. Eigentlich könnte jetzt die Geschichte hier schon aufhören, denn theoretisch könnt ich ja hier glücklich sein, aber nein, leider war ich nicht lange froh in dieser Wohnung an diesem Fenster zu stehen. Warum? Ich hatte Durst! Und was für einen Durst ich hatte. Den halben Tag stand ich in der Sonne, wo es eigentlich schön warm war, aber ohne Wasser ist das kaum zum aushalten. Meine Blätter hingen nur noch trostlos herunter und wurden langsam braun. Meine Besitzerin schien das nicht wirklich zu merken. Auf jeden Fall störte sie es nicht weiter. Immer wenn sie in meine Nähe kam, freute ich mich auf das lang ersehnte Nass, aber es kam und kam nicht. So kam der Tag, an dem ich gar nicht mehr gut aussah und auch nicht mehr klar denken konnte. Ich schreckte hoch als ich hochgenommen wurde und nach draußen vor die Tür getragen wurde. Es war kalt da draußen, aber leider regnete es nicht, und immer noch war kein Wasser in Sicht. Ich wurde neben komisch aussehenden und übelriechenden grauen Tonnen abgestellt und wurde allein gelassen. Traurig wartete ich eigentlich nur noch darauf, dass mir auch die letzten Blätter abfallen würden. Es wurde Nacht und kalt und ich stand noch immer trostlos neben den Tonnen. Aber da geschah das Wunder. Ein großer junger Mann wuchtete eine große Blaue Tüte in einer der grauen Tonnen und blickte mich an. Er beugte sich zu mir runter und sprach zu mir. Ja, sie haben richtig gehört, dass erste Mal in meinem Leben hat jemand mit mir gesprochen. Ich konnte zwar nicht antworten, und hab auch kein Wort von dem verstanden, was er mir erzählt hat, aber es war wie in meinen schönsten Träumen. Er nahm mich bei sich auf und, was mir in dem Moment eigentlich das wichtigste war, er gab mir Wasser. Eilig sog ich es in mir auf und langsam spürte ich die Kraft in mir wiederkommen.
Es passierten Dinge, an die ich mich gar nicht mehr erinnern konnte. Neue Blätter wuchsen und jeden Tag hat der junge Mann mit mir gesprochen, ich fühlte mich richtig wohl. Nur manchmal hat er das Wasser vergessen und ich bekam ein bisschen Durst. Aber zum Glück war das nicht von langer Dauer. Eines Tages kam er wieder zur Tür herein mit einem breiten Lächeln und einer riesigen Kiste in der Hand. Ein bisschen unheimlich wurde mir schon, als er neben mir Ganz viele bedruckte Blätter auf dem Boden verteilte und mich plötzlich genau auf die Mitte davon stellte. Ich dachte, er will vielleicht mir etwas Neues, Spannendes erzählen, aber dann passierte etwas Schreckliches. Ich wurde aus meinem Topf genommen. Ein bisschen Erde hing zwar noch zwischen meinen Wurzeln, aber trotzdem spürte ich schon, dass kaum noch Erde um mich rum war. Ich dachte, jetzt ist es aus, er gibt mich jetzt auch weg und noch mal werde ich nicht so ein Glück haben, dass mich jemand Neues bei sich aufnimmt. Aber komischer Weise legte er mich behutsam auf den Boden auf die ausgelegten Blätter und holte aus der großen Kiste einen kleinen gelben Sack. In dem gelben Sack raschelte es und der große Mann zeigte mir mit strahlenden Augen den Inhalt. Darin waren ganz viele kleine Körner aus Ton. Ich hatte immer noch keine Ahnung, was auf mich zukommen würde, aber die Angst wurde langsam kleiner. So behutsam würde doch kein Mensch mit mir umgehen, wenn er mich danach entsorgen will.
Der junge Mann schüttete viele dieser kleinen Tonkörner in einen roten Blumentopf, den er grade aus einem anderen Zimmer geholt hatte. Der Blumentopf war ein Stück größer als mein alter und glänzte schön in der Sonne. Jetzt nahm er mich wieder ganz vorsichtig auf und setzte mich in den neuen Topf, wo schon ganz viele Körner darin waren. Die Körner kitzelten an den Enden meiner Wurzeln, die aus dem Erdballen herausguckten ganz schön. Noch schlimmer wurde es, als er noch mehr dieser Körner dazu in Topf schüttete, so dass sie auch an meinen Stamm kamen. Dieses kribbeln war kaum auszuhalten. Zu guter letzt steckte er noch einen komisch aussehenden Stift in die Tonkörner und stellte mich wieder zurück an meinen alten Platz. Das war erst mal zu viel für mich. Diese Aufregung ist man ja so als Pflanze gar nicht mehr gewohnt.
Aber mit der Zeit fühlte ich mich immer wohler. Und als dann auch noch das Wasser kam und irgendeine leckere Flüssigkeit aus einer kleinen Flasche ging es mir immer prächtiger. Ich hab zwar fast eine Woche gebraucht, um mich von dem Schock zu erholen, aber jetzt geht es mir umso besser. Ich habe auch schon gemerkt, dass ich wieder 2 cm gewachsen bin. Mein Besitzer kommt immer noch oft zu mir und redet mit mir. Und der Stift scheint magische Kräfte zu haben. Denn immer wenn ich langsam kein Wasser mehr habe und Durst bekomme, dann erkennt mein Besitzer es an dem Stift und ich bekomm wieder einen Schluck. Ich hoffe, anderen Pflanzen geht es genauso gut wie mir und kommen auch in den Genuss dieser kleinen Steinchen, die, wie mir mein Besitzer letztens zugeflüstert hat, "Seramis" heißen.










Das ist soooo süß!!! Nicht mehr lange und Disney klingelt bei dir an und kauft dir die Geschichte für einen neuen Weihnachtsfilm ab
Das ist ne echt schön geschriebene Geschichte!!!
eine berührende Geschichte.. gefällt mir sehr gut!