Übermittelt von User: sempre1
Beworben habe ich mich beim Seramis-Test, weil ich im mittlerweile "fortgeschrittenen Alter" von 44 Jahren immer noch versuche, meinen Daumen grün zu bekommen. Während meine liebe Frau Mama alles was irgendwie in der Lage ist zu wachsen, zu gedeihen und/oder zu blühen auch dazu bewegen kann, haben bei mir bis dato ausschließlich wüstenerprobte Kakteen und vereinzelt unwettergewohnte Palmengewächse überlebt. Und mit ihnen nicht selten auch die Erdenbewohner, die nach reiflicher Zeit fliegen gelernt und nicht nur mich fast um den Verstand gebracht haben.
Also, eine Mail von Whispers erhalten, nicht lange überlegt und beworben. Schließlich kam dann eine positive Antwort und nach ein paar Wochen auch ein großes Paket. Wie wohl jede Teilnehmerin habe ich das Pappteil voller Spannung aufgerissen und den Inhalt – jetzt wohl wie eher weniger der Testerinnen – über den gesamten Wohnzimmerboden verteilt (auf dem Tisch hatten sich schon alle Pflanzen in freudiger Erwartung versammelt). Und ich saß mittendrin. Als mein Mann etwas später von der Arbeit kam, war ich mir Sack und Pack bereits in die Küche umgezogen und hatte meine Palme namens "trauriger Anblick" aus ihrer Erdgrube gefreit – was nichts anderes bedeutete, dass – mangels Garten oder Balkon – nicht nur der Küchenboden sondern auch ich selbst von oben bis unten voller Erde war. Denn, der Stamm meines Sorgenkindes war etwa so lang wie ich und gut oberarmdick. "Du spinnst doch" war der Kommentar, gleichzeitig griff des Haushalts einziges männliche Wesen aber interessiert in einen der Beutel und sein Gesichtsausdruck zeigte erfreutes Staunen: "die machen ja gar keinen Dreck"
Um das folgende dramatische Ende vorwegzunehmen: Ich habe beim Enterden nicht auf die Wurzeln geachtet und es musste vor lauter "Schluss mit Dreck und Fliegen, rein in die schönen Körnchen", schnell gehen, so dass ich aus Ungeduld den Erdballen einfach abgerissen habe. Es hat ordentlich Kraft gekostet, die Palme in den bereitstehenden Topf zu hieven und mit etwas mehr als drei Beutel mit Seramis aufzufüllen. Auf einem Untersetzer mit Rädern karrte ich meinen ersten Umtopfversuch zurück an seinen Platz ins Wohnzimmer und begoss ihn ordentlich mit Düngerwasser.
Tag für Tag schlich nun nicht nur ich um die Pflanze, sondern auch in unbeobachteten Momenten mein Mann, der zuvor noch lautstark verkündet hatte, dass ihn Pflanzaktionen nun mal so gar nicht interessierten. Und schließlich mussten wir beide feststellen, dass auch Seramis an diesem Pflanzentod nichts mehr würde ändern können.
So saß ich also eines Tages wieder in der Küche, um mich herum mein restliches "Grünzeug" und ich überlegte einen Moment, ob ich es wohl riskieren könnte oder ob ich doch meine Mutter bitten sollte… Ja nie nicht, also Pflanzen gaaanz vorsichtig angepackt, noch vorsichtiger von der Erde befreit und umgetopft. Dieses Mal war ich nicht nur geduldiger, sondern auch mit Herz und Seele bei der Sache. Und genau in diesem Moment läutete es an der Tür – nerv! Mit bis zu den Ellenbogen "geerdeten" Armen ging ich öffnen und traf auf eine Freundin, deren Tochter, noch eine Freundin und deren Mann, die schlagartig in ein fröhlich spöttisches Gelächter einstimmten: "Du und Pflanzen, das wird sich nie vertragen!"
Von wegen! Mit der Aufforderung "redet kein dummes Zeug, helft mir lieber" schleppte ich die Truppe hinter mir her- und tatsächlich, nach einer halben Stunde waren alle Pflanzen sehr ansehnlich und schmutzfrei wieder an ihrem angestammten Platz und die Seramis-Ration fast vollständig weg – denn das, was ich nicht verbraucht hatte, hatten die drei "Damen" längst entdeckt und jede hielt einen Beutel in der Hand, als wolle sie ihn mit Zähnen und Klauen verteidigen. Keine der drei hatte je mit Seramis getopft, alle waren aber von unserer gemeinsamen Aktion so begeistert, dass nun auch "umsatteln" wollen.
Schmunzeln am Rande: Den absoluten Vogel hat Klaus, der Mann meiner Freundin, abgeschossen. Er war als letzter in die Küche gekommen und reagierte sofort: "Ah ja, das ist das Zeug, das das Wasser speichert, schaut besonders bei Kaktussen (autsch!) klasse aus" Im ersten Moment war es totenstill, unser überdrehtes Geschnatter brach schlagartig ab und wir starrten in gemeinsamer Überraschung alle in die gleiche Richtung. "Meine Schwester hat das schon lange, weil ihr ihre Katzen immer Löcher in die Erde gebuddelt haben…" sagt`s und entschwindet.
Und wenn sie nicht gestorben sind… Sind sie nicht, alle Pflanzen haben die zweite Aktion gut überstanden, gedeihen prächtig. Und jetzt habe ich mich auch getraut, das Andenken an meine Oma, einen Gummibaum, umzupflanzen. Ab sofort wird es in meinem Haushalt keine Erde mehr geben!